Zehra Çırak

Zehra Çırak Der Geruch von Glück

Der Geruch von Glück

Verlag Hans Schiler
Sprache: Deutsch
1. Auflage ()
Broschur, 180 Seiten
ISBN 9783899302813
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Kara verachtet feste harte Dinge, die sie nicht zwischen ihren Fingern zerk­lei­nern und zerdrü­cken kann. Kaugummi, Kerzen­wachs, selbst Brot­krumen, die sie anfeuchtet und weich in den Fingern rollt und reibt, machen ihr Freude. Am liebsten hat sie Salz- oder Sesam­stangen, von denen sie nur kleine Stück­chen abkn­ab­bert und zwischen ihren Vorder­zähnen zerkaut und die sie dann wieder heraus­nimmt, und, feucht und weich, so lange zwischen ihren Fingern zerdrückt, bis sie kleine Kügel­chen oder Würm­chen daraus formen kann. Karas Freund­schaft mit solchen Dingen ist sehr alt. Schon als Kind hatte sie mit dem Zupfen und Zwir­beln und Verk­noten ange­fangen. Damals schon rupfte sie kleine Fädchen aus dem Schafs­fell heraus, das zu Hause auf dem Sofa des Wohn­zim­mers lag. Sie zupfte und rieb die Fädchen und machte kleine Knöt­chen hinein und rupfte die Knöt­chen ausein­ander und ließ sie fallen. Kara pflegt ihre Freund­schaften mit den Dingen in ihrem Leben sorg­fäl­tiger als die mit den Menschen. Auf immer verlo­rene Dinge, die sie liebte, schmerzen sie mehr als der Verlust von Freunden. Liebe niemals etwas, woran du zu sehr Erin­ne­rung gebunden hast, denn wenn du es verlierst, ersetzt nichts es jemals voll­ständig. Aber Freund­schaften mit Menschen lassen sich ersetzen, neu finden oder knüpfen wie die Knödel und Knoten ihrer komi­schen oder läst­igen Neigung.